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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Projekte des Instituts für Volkskunde

Seit einigen Jahren werden vom Institut für Volkskunde in Einzelprojekten verschiedene Quellen zur Volkskunde in Bayern als Forschungsmaterialien aufbereitet, digitalisiert und zeitgemäß zugänglich gemacht.

Aktuelle Projekte

Alltagskultur in Bayern im frühen 20. Jahrhundert

Der „Bayerische Verein für Volkskunst und Volkskunde in München e.V.“ führte in den Jahren 1908/09 eine bayernweite Rundfrage zu volkskundlichen Themen durch. Die Antwortschreiben aus 598 Orten in allen bayerischen Bezirken (einschließlich der Pfalz) mit gesamt etwa 6.700 Textseiten und die zeitgenössisch erfolgte thematische Auswertung mit 24.018 Einzelobjekten (auf 26.660 Seiten) sind Gegenstand eines Inventarisierungs-, Digitalisierungs- und digitalen Publikationsprojektes.

Ziel des Projektes ist es erstens, unterschiedliche Aspekte der Alltagskultur zu einzelnen Orten in Bayern sichtbar zu machen. Zweitens geht es darum, durch die thematisch-lokale Verschränkung der Daten auch die Verbreitung einzelner Sachthemen bayernweit aufzuzeigen. Für jedes Antwortschreiben und alle Auswertungsblätter werden umfangreiche Metadaten erarbeitet. Diese geben Auskunft über Orte, Autoren, Umfang, Datierung, Sachthemen und enthalten Zusammenfassungen der Antwortschreiben.

Seit Herbst 2017 erfolgt nach und nach die Veröffentlichung auf bavarikon. Die Präsentation enthält die Digitalisate der Antwortschreiben zu jedem einzelnen Ort wie auch die Digitalisate aller Auswertungsblätter, jeweils mit Metadaten. Zudem werden die Antwortschreiben mit den jeweils zugehörigen Auswertungsblättern verknüpft. Zu jedem Ort werden damit die vorhandenen Materialien virtuell wieder zusammengeführt. Sammlungsbeschreibungen für einzelne Regionen werden die Ergebnisse historisch sowie quellenkritisch einordnen und den Stoff gliedern.

Projektlaufzeit: 1.10.2016 bis 30.9.2018
Drittmittel-Finanzierung durch „bavarikon. Kultur und Wissensschätze Bayerns“
Projektleitung: Prof. Dr. Daniel Drascek, Dr. Gabriele Wolf
Projektmitarbeiter/innen: Dr. Andreas Kühne, Hermann Wellner M.A., Sabrina Huber, Ariuna Bembejew

Die Edition der „Stubenberger Handschriften“

Als Projekt des Instituts für Volkskunde wird seit einigen Jahren eine vollständige Edition der „Stubenberger Handschriften“ erarbeitet und in mehreren Bänden veröffentlicht. Die beiden Manuskripte aus dem Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek sind die umfangreichste Kompilation und Sammlung von geistlichen und weltlichen Liedern aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, die für Bayern bekannt ist.

Handschriftenbände

Das „Geistliche Zeitten Buch“ (mit der Signatur Cgm 7341) entstand vermutlich um das Jahr 1790. Es enthält auf 482 Seiten 100 geistliche Lieder und 106 Gebete für das ganze Jahr. Es ist mit 19 farbigen Bildern illustriert, die Szenen aus dem Leben und der Passion Christi, Motive des Marienlebens, heilsgeschichtliche Themen und Heilige darstellen.

Das „Gesänger Buch“ (mit der Signatur Cgm 7340) ist mit der Datierung 1796 versehen, die vermutlich den Beginn der Aufzeichnungen markiert. Es besteht aus den beiden Teilen „Geistliche Gesänger“ und „Weltliche Gesänger“. Die „Geistlichen Gesänger“ enthalten auf 267 Seiten 385 Lieder und zwei andere Texte. Die „Weltlichen Gesänger“ versammeln auf 292 Seiten 331 Lieder und 18 andere Texte. Beide Teile sind teilweise mit farbigen Initialen sowie kleineren Zeichnungen ausgeschmückt.

Editionsprojekt und Veröffentlichungen

Mit der Edition dieser einzigartigen Quellen sollen Grundlagen für weiterführende Untersuchungen zur interdisziplinären Alltagskulturforschung, besonders zur volkskundlichen Lied- und Frömmigkeitsforschung in der Umbruchzeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts im bayerisch-österreichischen Raum geschaffen werden. Ziel der Edition ist es daher, die Handschriften erstmals in einer vollständigen und buchstabengetreuen Transkription vorzulegen und mit Worterläuterungen zu versehen. Die Bände sind jeweils durch ausführliche Inhaltsverzeichnisse sowie durch Register der Lied- oder Textanfänge erschlossen.

Die auf drei Textbände und einen Kommentarband hin angelegte Edition wird seit 2010 in enger Zusammenarbeit mit Willibald Ernst erarbeitet. Die Edition des Geistlichen Zeitten Buches ist 2012 erschienen. Die Edition des „Gesänger Buches“ erfolgte in zwei Teilbänden: 2014 konnte der Teil Geistliche Gesänger vorgelegt werden, 2017 der Teil Weltliche Gesänger. Berichte über das Editionsprojekt sind in Akademie Aktuell 4/2014 und Akademie Aktuell 4/2017 erschienen. Der abschließende Kommentarband ist in Vorbereitung.

Projektlaufzeit: 2010 bis 2018 (geplant)
Projektbearbeiter/in: Dr. Gabriele Wolf und Willibald Ernst

tradmusik.net - Portal für traditionelle Musikkultur in Bayern

Ein Netzwerk von Institutionen zur Forschung und Pflege traditioneller und populärer Musikkultur in Bayern will auf der online-Plattform tradmusik.net eine gemeinsame Datenbank präsentieren. Sie soll einen zentralen Zugang zu möglichst vielen öffentlichen und privaten archivalischen Sammlungen zur Volksmusik in Bayern bieten und als Informationsquelle und Materialbasis für Musikforschung und Musikpraxis dienen. Die Vernetzung soll zur Verbesserung der Forschungsinfrastruktur beitragen und damit die Möglichkeiten sowohl für die Forschung als auch die Musikpflege erweitern. Besonders regional vergleichende musikalische Themen aber auch übergeordnete Strukturen werden sich mit Kenntnis der verfügbaren Materialien differenzierter bearbeiten lassen.

Das Institut für Volkskunde ist seit 2012 mit seiner Sammlung zur Volksmusik Partner von tradmusik.net. Seine Datenbank der volksmusikalischen Materialien enthält etwa 8.000 Datensätze und soll zu gegebener Zeit in die gemeinsame Datenbank von tradmusik.net eingepflegt und öffentlich zugänglich gemacht werden.

Projektleitung: Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V.
Finanzielle Förderung durch den Kulturfonds Bayern

Abgeschlossene Projekte

Ländliches Bauen in Bayern seit der Frühen Neuzeit

Das Archiv für Hausforschung ist eine umfangreiche Sammlung von etwa 12.000 Planzeichnungen und etwa 25.000 Fotografien von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden aus dem ländlichen Raum vor allem in Bayern. Aus diesem wichtigen Quellenbestand zur historischen Alltagskultur wurden etwa 5.500 Pläne und alle Fotografien digitalisiert. Die einzelnen Objekte wurden mit Metadaten erschlossen.

Über das Internetportal bavarikon sind 3.009 Pläne und 3.517 Fotos digital veröffentlicht. Alle anderen Digitalisate sowie die Datenbank stehen am Institut für Volkskunde für die Forschung und die interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung. Ein Projektbericht ist in Akademie Aktuell 1/2016 erschienen. Der Aufsatz „Das Archiv für Hausforschung – eine Bestandsgeschichte“ von Andreas Kühne und Hermann Wellner ist im Bayerischen Jahrbuch für Volkskunde 2017 publiziert.

Projektlaufzeit: 1.11.2014 bis 30.9.2016
Drittmittel-Finanzierung: „bavarikon. Kultur und Wissensschätze Bayerns“
Projektleitung: Prof. Dr. Daniel Drascek, Dr. Gabriele Wolf
Projektmitarbeiter/in: Dr. Andreas Kühne, Dr. Stefan Pongratz, Hermann Wellner M.A., Sabrina Huber