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Kommission für bayerische Landesgeschichte

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Neue Veröffentlichungen

„Europäer sein und Bayern bleiben“

Die Idee Europa und die bayerische Europapolitik 1945-1979

von Alexander Wegmaier

(Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 171), Verlag C. H. Beck, München 2018, XIII, 574 Seiten, ISBN 978-3-406-10786-3, € 49,00

Wie geht ein Land mit den Herausforderungen der europäischen Einigung um? Im Freistaat Bayern stand man den Integrationsplänen seit der unmittelbaren Nachkriegszeit mehrheitlich wohlwollend gegenüber.

Die Wirkmächtigkeit der europäischen Idee lässt sich an der breiten Unterstützung vor allem christsozialer, föderaler und katholischer Kreise ablesen. Andere gesellschaftliche und politische Kräfte blieben zunächst zurückhaltend, skeptisch oder gar ablehnend, akzeptierten und befürworteten dann aber meist den Einigungsprozess. Zu einer baldigen Korrektur der distanzierteren Positionen trug der große Rückhalt für die europäische Idee in der öffentlichen Meinung bei.

Die Bayerische Staatsregierung und der Landtag unterstützten die europäische Integration aktiv, auch wenn die neuen europäischen Institutionen und Regelungen die Länderkompe­tenzen teilweise einschränkten. Die bayerische Politik schuf auch deswegen – bisweilen gegen den Widerstand des Bundes – verschiedene Instrumente, mit denen sie Einfluss auf die neuen europäischen Institutionen und den Integrationsprozess auszuüben versuchte. Mit dieser Politik trug Bayern zur Ausbildung des europäischen Mehrebenensystems bei.

Die auswärtige Kulturpolitik des Freistaats Bayern 1945-1978

von Thomas Jehle

(Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 170), Verlag C. H. Beck, München 2018, XII, 568 Seiten, ISBN 978-3-406-10785-6, € 49,00

Der Freistaat Bayern verfügte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit seinen kulturellen Schätzen über ein vielfältig einsetzbares Mittel, um angesichts der Beschränkungen durch Besatzungsstatut und Grundgesetz auch jenseits der Landesgrenzen zu agieren. Ausgehend von seinem Selbstverständnis als international vernetzter Kulturstaat im Zentrum Europas knüpften die staatlichen Akteure zwischen 1945 und 1978 ein dichtes Netz an Außenbeziehungen. Mit der auswärtigen Kulturpolitik als Instrument der Außen-, der Föderalismus- und der Außenwirtschaftspolitik entwickelte sich ein Politikfeld, das in der vorliegenden Studie auf einer breiten Quellengrundlage analysiert wird. Wer waren die Handlungsträger, welche Leitbilder verfolgten sie und welche Netzwerke konnten sie aktivieren? Was waren Mittel und Strategien, welche Räume wurden anvisiert? Erstmals steht hier nicht der Bund im Zentrum der Forschungen zur auswärtigen Kulturpolitik, sondern mit dem Freistaat Bayern ein Faktor, der mit dezidiertem Gestaltungswillen im Rahmen des Mehrebenensystems der Bundesrepublik Deutschland die Außenbeziehungen mitprägte.

Das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten in der NS-Zeit

von Daniel Rittenauer

(Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 169), Verlag C. H. Beck, München 2018, X, 432 Seiten, ISBN 978-3-406-10784-9, € 49,00

Das Ministerpräsidentenamt überdauerte die Machtübernahme Bayerns durch die Nationalsozialisten am 9. März 1933. Es hatte Bestand bis zum Ende der NS-Diktatur im Jahr 1945. Allerdings hatte sich das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten in dieser Zeitspanne erheblich gewandelt: Während es unter Paul Giesler (1942–1945), dem Gauleiter von München-Oberbayern, nur noch eine leere Hülle war, versuchte Ludwig Siebert (1933–1942), dessen langjähriger Vorgänger, das Amt zwischen Reichsstatthalter, Gauleitern und anderen Protagonisten als eigenständiges Aktionszentrum im polykratischen Gefüge des NS-Staats zu positionieren. Die vorliegende Untersuchung gibt einen Einblick in die Entwicklung des bayerischen Staatswesens während der NS-Zeit. Trotz ihrer unübersehbaren Marginalisierung wurde die Infrastruktur des bayerischen Staats als mittlere Verwaltungsebene durch das „Dritte Reich“ weiter genutzt.

Kulturpolitik gegen die Krise der Demokratie

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus 1926-1933

von Maria Magdalena Bäuml

(Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 168), Verlag C. H. Beck, München 2018, IX, 430 Seiten, ISBN 978-3-406-10783-2, € 49,00

Die Verfassung der Weimarer Republik verlagerte zahlreiche Kompe­tenzen von den Ländern auf das Reich. Umso mehr Bedeutung gewann die Kulturpolitik für den Freistaat Bayern, blieb diese doch eine zentrale Aufgabe des Landes. Zuständig war das Bayerische Staats­ministerium für Unterricht und Kultus, dessen Aufgabenbereich Schulen, Wissen­schaft und Kunst sowie die Religionsgemeinschaften umfasste. Die vorliegende Studie untersucht Organisation, Personalentwicklung, Verwaltungsreformen, Entscheidungsabläufe und Tätigkeitsfelder des Ministeriums. Zudem wird die Positionierung des Ministeriums in den Herausforderungen und Krisen der Jahre von 1926 bis 1933 einer systematischen Analyse unterzogen.

Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2018

412 Seiten, 100 Abbildungen, ISSN 0067-4729, € 39,90

Aus dem Inhalt: Martin Scharfe geht der kulturelle Bedingtheit der Bergnamen-Vergabe und -Etablierung im frühen Alpinismus an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert nach.  Johannes Müske untersucht die um 1900 noch junge Technik der Schallaufzeichnung und ‑wiedergabe, deren Beitrag zu Methodik und Entwicklung der neuen „ethnografischen Disziplinen“ und den heutigen Umgang mit diesen Tondokumenten. Um „Erinnerungsobjekte“ geht es Thomas Schwarz, der seinen früher als Landwirt tätigen Großvater zu dessen Sammlung von Arbeitsgeräten interviewte und die Bedeutung der Dinge erforscht. Jessica Seibold beschäftigt sich mit dem Heilwissen der Hirten aus dem mittelfränkischen Haimendorf, festgehalten in einem „Kurierbuch“ aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der europaweit auftretenden Heuschreckenplage von 1749 und ihren Auswirkungen auf Bayern und Franken widmet sich Bernhard Lübbers. Birgit Speckle und Bettina Keß zeichnen das Leben der Familie der Grafen von Luxburg im unterfränkischen Aschach und von deren Dienstboten im 19. und 20. Jahrhundert nach. Schlaglichter auf die facettenreiche Kulturgeschichte des Fahrrads in Bayern von seinen Anfängen bis um 1900, als das bisherige „Luxusgerät besitzender Schichten“ durch fallende Preise zum „Gebrauchsgerät für jedermann“ wurde, wirft Norbert Stellner. Astrid Pellengahr, Susanne Sagner und Petra Weber befassen sich mit der Sammlung von Hinterglasbildern im Stadtmuseum Kaufbeuren als Teil der protestantischen Memoria. Thomas Schindler thematisiert das „Gesellenmachen“ als einen symbolischen Akt „in Form eines ritualisierten Zeremoniells im Handwerk der Frühen Neuzeit“ und in der Moderne. Ergänzend kommen zwei Nachrufe hinzu: Walter Hartinger würdigt Person und Werk von Willibald Ernst (1942–2018) aus Gangkofen in Niederbayern, Wolfgang Brückner den Würzburger Extraordinarius für Volkskunde Dieter Harmening (1937–2016).

Im Rezensionsteil werden 111 Publikationen besprochen.

Bayern im Umbruch

Die Korrespondenz der Salzburger Vertreter in München mit Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo und Hofkanzler Franz Anton von Kürsinger zu Beginn der Bayerischen Erbfolgekrise (Dezember 1777 – April 1778)

bearbeitet von Ferdinand Kramer und Ernst Schütz

(Quellen zur Neueren Geschichte Bayerns VI), 2018, XXV, 56*, 430 Seiten, ISBN 978-3-7696-6616-8, € 58,00

Bayern im Umbruch – dies erlebten die Vertreter des Fürsterzbischofs von Salzburg in München in den ersten Monaten des Jahres 1778. Eigentlich sollten sie über die für das Kurfürstentum Bayern und das benachbarte Erzstift Salzburg gleichermaßen wichtigen Salzgeschäfte verhandeln. Doch der überraschende Tod des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph und die zunächst umstrittene Nachfolge durch den aus Mannheim herbei­eilenden Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor führten dazu, dass die Salzburger Unterhändler zunächst Zeugen eines aufgeregten Wechsels in der Regierung in München wurden. Sie erlebten eine allgemeine Verunsicherung in der Residenzstadt, verstärkt durch den Einmarsch kaiserlicher Truppen in Bayern und durch hektische Aktivitäten auswärtiger Gesandter sowie durch vielfältige Gerüchte über Personalia oder zur gefährdeten Existenz Bayerns. Schließlich konnten sie doch noch das Salzgeschäft zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Der vorliegende Band mit der Korrespondenz der Salzburger Vertreter in München, allen voran Franz Thaddäus von Kleimayrns und Joseph Ernst Gilowskys mit ihrem Fürsterzbischof und ihrem Hofkanzler, ermöglicht zum Teil singuläre Einblicke in Interna der bayerischen Gesellschaft, Verwaltung und Politik, in den Salzhandel und in die vielfältigen interterritorialen Verflechtungen zwischen den Nachbarn Bayern und Salzburg in einer Umbruchsphase der bayerischen Geschichte.

Die diplomatische Korrespondenz Kurfürst Maximilians I. von Bayern mit seinen Gesandten in Münster und Osnabrück

Dezember 1645 – 18. April 1646

bearbeitet von Gabriele Greindl, Günther Hebert und Gerhard Immler

(Quellen zur Neueren Geschichte Bayerns I/3), 2018, XLI, 26*, 636 Seiten, ISBN 978-3-7696-6617-5, € 68,00

Die Verhandlungen auf dem Westfälischen Friedenskongress traten mit der Ankunft des kaiserlichen Prinzipalgesandten Maximilian Graf von Trauttmansdorff in Münster am 29. November 1645 von der Phase des gegenseitigen Abtastens und der Klärung verfahrenstechnischer Vorfragen in die der Beratungen über die materiellen Friedensbedingungen über. Kurfürst Maximilian I. von Bayern, der seit dem Herbst 1644 den Kaiser zu einem Verständigungsfrieden mit den ausländischen „Kronen“ Schweden und vor allem Frankreich gedrängt hatte, hatte nicht unwesentlich zur Entscheidung Ferdinands III. beigetragen, seinen leitenden Minister zum Kongress zu entsenden, sah seine Hoffnungen, dieser werde durch territoriale Zugeständnisse insbesondere an Frankreich die Friedensverhandlungen rasch zum Erfolg führen, aber alsbald enttäuscht. Dies veranlasste den Kurfürsten, der als einziger militärisch bedeutender Verbündeter der Habsburger im Reich über erhebliches Druckpotential verfügte, dieses massiv zur Geltung zu bringen, um dem Kaiser und Trauttmansdorff jenes Zugeständnis an Frankreich abzuringen, das aus bayerischer Sicht conditio sine qua non einer Verständigung war: die Abtretung der habsburgischen Gebiete und Rechte im Elsass. Dabei gerieten die bayerischen Gesandten in Münster, Georg Christoph Freiherr von Haslang und Dr. Johann Adolf Krebs zeitweise in die Rolle von inoffiziellen Vermittlern zwischen dem Kaiser und Frankreich. Mit dem Bericht der Gesandten an den Kurfürsten über das Elsass-Angebot Trauttmansdorffs vom 14. April 1646 schließt der Band.

Aufschlussreich sind aber auch die Quellen über den Beginn der Verhandlungen zwischen katholischen und protestantischen Reichsständen über die konfessionsrechtlichen Friedensbestimmungen. Dabei konnte der im Januar 1646 als bayerischer Vertreter im dortigen Fürstenrat in Osnabrück eintreffende Gesandte Johann Ernst trotz der Unterordnung über seine Kollegen in Münster sich allmählich ein eigenes Profil erarbeiten.

Dinkelsbühl. Der ehemalige Landkreis

von Teresa Neumeyer

(Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken I/40), 2018, LVII, 630 Seiten, ISBN 978-3-7696-6562-8, € 49,00

Im Historischen Atlas von Bayern wird die Herrschafts- und Verwaltungsgeschichte des heutigen Freistaats vom Mittelalter bis heute bearbeitet. Der ehemalige Landkreis Dinkelsbühl gehörte vor 1800 zu einem der umstrittensten Herrschaftsgebiete im fränkisch-schwäbischen Grenzland. Dieser Band widmet sich einer Vielzahl unterschiedlicher Herrschaftsträger, die ihre Rechte selten ohne Widerspruch ausübten: dem Markgraftum Brandenburg-Ansbach mit dem Oberamt Wassertrüdingen, der Grafschaft Oettingen-Spielberg mit den Ämtern Aufkirchen, Dürrwan­gen und Mönchsroth, dem Herzogtum Württemberg mit dem Amt Weiltingen und der Reichsstadt Dinkelsbühl. Daneben hatten noch das Hochstift Eichstätt, der Deutsche Orden, die Fürstpropstei Ellwangen und die Reichsritterschaft Rechte inne und es waren hier Kondominate und Freidörfer anzutreffen. Erst nach dem Übergang an Bayern im frühen 19. Jahrhundert entstand allmählich aus den beiden Bezirksämtern Dinkelsbühl und Wasser­trüdingen der ehemalige Landkreis, der 1972 zum Großlandkreis Ansbach kam. – Wie in der Reihe üblich werden die einzelnen Orte mit Angaben zur Grundherrschaft, Vogtei, den kirchlichen Zugehörigkeiten und der Hochgerichtsbarkeit beschrieben. Zwei Kartenbeilagen illustrieren diese Verhältnisse. – In einem eigenen Abschnitt diskutiert die Autorin in einer praxeologischen sowie diskursanalytischen Herangehensweise die unterschiedlichen Ausformungen der Landeshoheit.

Pfarrkirchen. Der ehemalige Landkreis

von Josef Egginger

(Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Niederbayern 2), 2018, 43*, 698 Seiten, ISBN 978-3-7696-6591-8, 79,00 €

Im vorliegenden Band untersucht Josef Egginger alle 1347 Siedlungs­namen, darunter auch die Namen von abgegangenen Siedlungen („Wüstungen“), und zwei Flussnamen (Inn, Rott) des ehemaligen Landkreises Pfarrkirchen (vor der Gebietsreform von 1972). Auf der Grundlage einer umfangreichen Sammlung historischer Schreib­formen und der mundartlichen Aussprache wird jeder einzelne Name einer sprachwissenschaftlichen Analyse unterzogen, die zur Bestimmung und Erklärung der Namenelemente führt. Zentraler Bestandteil der Einleitung ist das Kapitel zur Besiedlung im Lichte der Ortsnamenforschung, in dem eine typologische Auswertung auf der Grundlage der Ergebnisse aus den Ortsartikeln vorgenommen wird. Neben vereinzelt feststellbarem keltischen und vorbairisch-germanischen Namengut beschreibt der Autor eine Vielzahl von bairischen Ortsnamentypen in ihrer spezifischen Zeitstellung. Der Band enthält mehrere Register, darunter Verzeichnisse der Erstnennungen und der Ortsnamenbestandteile, sowie eine großformatige Kartenbeilage, die einen Überblick über den ehemaligen Landkreis Pfarrkirchen und seine Wüstungen gibt.

Das HONB Pfarrkirchen bietet Wissenschaftlern, Heimatforschern und allen historisch Inter­essierten umfassend Auskunft über Ortsnamen und Siedlungsgeschichte im südöstlichen Niederbayern.

König Ludwig I. von Bayern und Johann Martin von Wagner

Der Briefwechsel Teil I/1-2: 1809-1815

bearbeitet von Mathias René Hofter und Johanna Selch in Zusammen­arbeit mit Friedegund Freitag und Jörg Zedler, heraus­gegeben von Martin Baumeister, Hubert Glaser und Hannelore Putz

(Quellen zur Neueren Geschichte Bayerns V), 2017, LXXX, 459 und 685 Seiten, ISBN 978-3-7696-6615-1, € 119,90

Der Briefwechsel von Ludwig I. von Bayern und seinem Kunstberater Johann Martin von Wagner eröffnet tiefe Einblicke in das Entstehen der Münchner Museen und Sammlungen sowie den bayerischen Kunstbetrieb im europäischen Kontext. Der erste Band umfasst die Jahre 1809–1815; diskutiert werden die in Rom und in Griechenland erworbenen antiken Kunstwerke, darunter der Barberinische Faun und die Skulpturen von Aigina. Wichtiges Thema sind auch die Planungen für die Glyptothek. Schließlich vermitteln die Briefe einen plastischen Eindruck römischen Lebens am Übergang von der napoleonischen Herrschaft zur europäischen Nachkriegs­ordnung.

Herzog Ernst von Bayern (1500-1560)

Geistlicher Landesfürst im Hochstift Passau, Erzstift Salzburg und der Grafschaft Glatz

von Hans Kammermayer

(Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 167), Verlag C. H. Beck, München 2018, x, 492 Seiten, ISBN 978-3-406-10782-5, € 59,90

Herzog Ernst von Bayern (1500–1560) hat in der Forschung bislang kaum Beachtung gefunden. Der dreifache Reichsfürst – in den beiden Bistümern Passau und Salzburg sowie in der schlesischen Grafschaft Glatz – war nach dem bayerischen Primo­­­­­genitur­gesetz von 1506 von der Erbfolge in Bayern aus­geschlossen. Daher schlug er die geistliche Laufbahn ein. Zeitlebens hat er jedoch den Empfang der höheren kirchlichen Weihen abgelehnt, weshalb er über seine beiden geistlichen Fürsten­tümer nur die Administration ausübte. 1554 zog er sich von seinem Bischofs­amt zurück. In der Reformations­frage setzte er auf die Beibehaltung des katholischen Glaubens. Er trat als ökonomisch versierter Landesherr hervor. Vor allem förderte er den Salzburger Edelmetall­bergbau.

Kirche - Religion - Staat. Walter Ziegler zum 80. Geburtstag

(Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 80/1), 2017, 350 Seiten, ISBN 978-3-4061-1208-9, € 29,80

Die Beiträge des aktuellen Heftes der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte sind Prof. Dr. Walter Ziegler als Festgabe zu seinem 80. Geburtstag gewidmet. Sie kreisen thematisch um das Haupt­forschungsgebiet des früheren Vorsitzenden der Kommission für bayerische Landesgeschichte.

Aus dem Inhalt: Rudolf Schieffer, Bayerische Herzöge im Blickfeld der Päpste des Frühen und Hohen Mittelalters. - Helmut Flachenecker, Der "unbekannte" Osten des Bistums Würzburg um 1000. Anmerkungen zum slawischen Bevölkerungsanteil in Franken. - Alois Schmid, Christoph III. von Pfalz-Neumarkt, König in den skandinavischen Unionsreichen und Pfalzgraf im Teilfürstentum Pfalz-Neumarkt (1416-1448). - Dieter J. Weiß, Johannes Eck und die Konfessionalisierungsdebatte. - Wolfgang Wüst, Religion - Territorium - Policey. Idealformen geistlicher Staatlichkeit im Ordnungsspiegel süddeutscher Hochstifte. - Helmut Rankl, Das Getreide der Fürsten. Umfang und Funktion der Kastenamtsgefälle in Staatshaushalt und Politik Bayerns 1450-1800. - Johann Pörnbacher, Johann Georg von Lori - im Spannungsfeld von Kirche und Staat. - Paul Hoser, Die "Augsburger Postzeitung" und der "Bayerische Kurier" als leitende Zeitungen des politischen Katholizismus in Bayern und ihre Position während des Ersten Weltkriegs. - Ferdinand Kramer, Kirchen und Religion in den "Lebenserinnerungen" von Gustav von Kahr. - Peter Claus Hartmann, Der katholische Kampf und Widerstand gegen den Nationalsozialismus in München (1922-1945). - Lydia Großpietsch, Das Schweigen der Glocken in Traunstein. Ein bischöfliches Lokal-Interdikt gegen das NS-Regime im Jahr 1934. - Stephan Deutinger, "In der Liebe Gottes wohnt die Freiheit". Über eine bayerische Wurzel der Weißen Rose. - Christian Kuchler, Christliche Gotteshäuser als Exkursionsziele für historisches Lernen an staatlichen Schulen.

Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2017

394 Seiten, 96 Abbildungen, ISSN 0067-4729, € 39,90

Aus dem Inhalt: Helmut Groschwitz setzt sich mit den Begriffen von und den Diskursen um „Authentizität“ und „Kulturerbe“ auseinander. Dabei begreift er Authentizität „als Ergebnis der Aushandlungen zwischen Menschen und Dingen“ und plädiert für eine weitergefasste „Definition des Kulturerbes als komplexes und fluides Netzwerk von Menschen, Dingen, Diskursen, Übersetzungen und Institutionen“. Dem Schnitzhandwerk in Sandberg in der Rhön widmet sich Jochen Ramming. Er zeichnet dessen Weg nach von der gezielten Einführung zur Gewerbeförderung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über die Diversifizierung der Schnitzprodukte und deren Einbindung in die Volkskunstdebatte sowie den Niedergang des Gewerbes im 20. Jahrhundert bis zur Aufwertung der Rhönschnitzerei als Kulturerbe im Zuge von EU‑Förderprogrammen zur (touristischen) Entwicklung ländlicher Regionen im 21. Jahrhundert. Anna Vatteroth nimmt mit dem Spessart ein weiteres Mittelgebirge und damit ebenfalls eine strukturschwache Region in den Blick. Anhand der dort im 19. Jahrhundert entstandenen Gießereien zeigt sie die Faktoren auf, die für die Ansiedlung und das Weiterbestehen dieser schwerindustriellen Betriebe eine Rolle spielten. Wie sich die Bestände des Archivs für Hausforschung des Instituts für Volkskunde chronologisch zusammensetzen, unter welchen ideologischen Prämissen und mit welchen Zielsetzungen bei der Anfertigung der Planzeichnungen und Fotografien von welchen Akteuren mit welchen Mitteln vorgegangen wurde, beschreiben Andreas Kühne und Hermann Wellner. Auf den von Maximilian Schmidt (1832–1919), dem als „Waldschmidt“ bekannten Volksschriftsteller aus dem Bayerischen Wald, organisierten ersten „Volkstrachten-Festzug“ während des Oktoberfestes 1895 in München geht Bärbel Kleindorfer-Marx ein und untersucht, wie dieser medial vermittelt und in Wort und Bild rezipiert wurde. Durch die Auswertung von Taufmatrikeln gelingt es Gabriele Pfeifer, den Münchner Findelkindern der Frühen Neuzeit auf die Spur zu kommen und Näheres zu deren Alter bei der Aussetzung, den Fundstätten und Fundsituationen sowie den ihnen gegebenen Familien- und Taufnamen in Erfahrung zu bringen. Simone Schneider führte Interviews, um zu eruieren, wie adipöse Menschen „den gesellschaftlichen Umgang mit ihrer Fettleibigkeit im Alltags- und Arbeitsleben wahrnehmen“. Ebenfalls auf Interviews basiert der Beitrag von Sabrina Beiderbeck, die die Griechenlandbilder thematisiert, die griechische Restaurantbesitzer durch die von ihnen verwendeten Lebensmittel, das Speisenangebot sowie das Mobiliar und die Dekoration vermitteln wollen.

Im Rezensionsteil werden 125 Publikationen besprochen.

Das Kabinett Hoffmann II, Teil 1: 31. Mai - 1. September 1919

bearbeitet von Wolfgang Ehberger unter Mitarbeit von Matthias Bischel

(Die Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1919-1945), 2017, XVII, 81*, 453 Seiten, ISBN 978-3-7696-6685-4, € 59,90

Das Ende Mai 1919 gebildete Kabinett Hoffmann II, das von einer breiten Koalition aus Mehrheitssozialdemokratie, Bayerischer Volkspartei und Deutscher Demokratischer Partei getragen wurde, war die erste bayerische Staatsregierung, deren Handeln ganz im Zeichen des parlamentarischen Prinzips stand. Während der ersten drei Monate ihrer Amtszeit, in denen das Kabinett nach wie vor überwiegend von Bamberg aus agierte, hatte sich die Regierung mit einer Vielzahl komplexer Themen von besonderer Tragweite auseinanderzusetzen. Dabei kam der Stabilisierung der politischen Verhältnisse nach der Münchener Räteherrschaft und deren militärischer Niederschlagung, der staats- und verfassungsrechtlichen Neuordnung auf Landes- wie Reichsebene sowie der Ausgestaltung der durch den Versailler Vertrag geschaffenen Friedensregelung zentrale Bedeutung zu.

Gesänger Buch. Der Zweÿte Theill Worinnen! Die Weltliche Gesänger zu finden seind

gesammelt und geschrieben von Phillipp Lenglachner (*1769, †1823). Edition der Handschrift Cgm 7340 der Bayerischen Staatsbibliothek München, transkribiert von Willibald Ernst, herausgegeben von Gabriele Wolf und Willibald Ernst

(Stubenberger Handschriften 2/2; Quellen und Studien zur musikalischen Volkstradition in Bayern, Band 6), 2017, 631 Seiten, 20 Abbildungen (ISBN 978-3-7696-0667-6, ISSN 1437-8361), € 49,00

Das großformatige, knapp 560 Seiten umfassende „Gesänger Buch“ des Hadernsammlers Phillipp Lenglachner (geb. 1769 in Weng im Innkreis, gest. 1823 in Stubenberg) enthält in seinem zweiten Teil die „Weltlichen Gesänger“. Lenglachner notierte hier sehr sorgfältig 330 weltliche Lieder, aber auch andere Vortragstexte. Sie bringen eine Vielzahl von Themen des Alltagslebens, der sozialen Beziehungen und Verhältnisse sowie von historisch-politischen Ereignissen zur Sprache, sind teils ernsthaft bis moralisierend, teils humorvoll bis derb-komisch. Die „Weltlichen Gesänger“ zeugen von den vielseitigen Interessen ihres Kompilators und Schreibers. Etwa ein Drittel der Lieder schrieb er in westmittelbairischer Mundart auf, etwa ein Drittel der Lieder sind bisher nicht anderweitig bekannt. Die „Weltlichen Gesänger“ liegen nun erstmals in einer vollständigen und buchstabengetreuen Edition vor. Der Text ist mit Worterläuterungen versehen und wird durch ein nummeriertes Inhaltsverzeichnis, ein alphabetisches Verzeichnis der Liedanfänge und ein alphabetisches Verzeichnis der nicht zum Singen bestimmten Texte erschlossen. Die historisch-philologische Einführung stellt diesen zweiten Teil der Handschrift vor und präsentiert die Lieder systematisiert nach formalen Gesichtspunkten und inhaltlichen Kategorien. Sie gibt damit Einblicke in die geistigen Horizonte ihres Sammlers und in die alltagskulturell verankerte musikalische Praxis des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Die deutschen Königspfalzen, Band Bayerisch-Schwaben

herausgegeben von Caspar Ehlers, Helmut Flachenecker, Bernd Päffgen und Rudolf Schieffer

(Die deutschen Königspfalzen 5,3), 2016, XXXVIII, 286 Seiten, € 130,00

Im Rahmen des Repertoriums der deutschen Königspfalzen werden mehrere Bände die königlichen Aufenthaltsorte in Bayern dokumentieren. Der Teilband Bayerisch-Schwaben ist zwar dem Landesteil mit den wenigsten Aufenthaltsorten gewidmete, bietet aber mit Augsburg einen kirchlichen wie weltlichen Zentralort seit der Römerzeit. In dem Band werden außerdem die Handlungen des ostfränkisch-deutschen Reisekönigtums an den Orten Donauwörth, Günzburg, Hohenaltheim, Holzkirchen, Memmingen, Mering und Zusmarshausen nach einem einheitlichen Bearbeitungsschema erörtert. Das Werk erschließt die schriftlichen Quellen sowie die archäologisch-kunsthistorisch relevanten Zeugnisse. So entstand ein nicht nur an Experten gerichtetes Kompendium herrscherlichen Handelns im südwestlichen Regierungsbezirk Bayerns unter reichs- und landesgeschichtlichen sowie kulturwissenschaftlichen Gesichtspunkten.

Das Landgericht Ried

bearbeitet von Roger Michael Allmannsberger und Gerhard Schwentner

(Historischer Atlas von Bayern, Teil Innviertel 2), 2017, LII, 700 Seiten, ISBN 978-3-7696-6561-1, € 59,90

Das Landgericht Ried, das etwas kleiner als der spätere gleichnamige Bezirk war, gehörte zu den großen Landgerichten des von vielfältigen Herrschaftsstrukturen geprägten Herzogtums Bayern. Im vorliegenden Band wird zuerst die Entwicklung vom Rottach- und Mattiggau der agilolfingischen Zeit bis hin zur vornbachischen, dann andechsischen Grafschaft Schärding-Neuburg nachgezeichnet, zu welcher der Untersuchungs­raum bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts gehörte. Im Zuge des Herrschafts­ausbaus der Wittelsbacher entstand das Landgericht Ried, das durch zahlreiche Hofmarken geprägt war. Neben adeligen Herren wie z.B. den Herrn von der Wahl auf Aurolzmünster dominierte vor allem das Domkapitel Passau die grundherrschaftlichen Strukturen. Im Zentrum der Untersuchung steht wie bei allen Bänden des Historischen Atlas von Bayern die statistische Güterbeschreibung, welche jedes im 18. Jahrhundert existierende Anwesen mit Angabe der Grundherrschaft und der Niedergerichtsbarkeit erfasst. Die 1779 erfolgte Abtrennung von Bayern, die napoleonischen Wirren sowie die bis heute gestalt­gebenden Umwälzungen des 19. Jahrhunderts umfassen den letzten Teil des Bandes.

Eichstätt. Stadt und Altlandkreis

bearbeitet von Antonius Reith

(Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Mittelfranken 8), 2017, 60*, 315 Seiten, ISBN 978-3-7696-6590-1, € 44,90

Im vorliegenden Band untersucht Antonius Reith alle 290 Siedlungsnamen, darunter auch die Namen von abgegangenen Siedlungen („Wüstungen“), der Stadt und des Altlandkreises Eichstätt (vor der Gebietsreform von 1972). Auf der Grundlage einer umfangreichen Sammlung historischer Schreibformen und der mundartlichen Aussprache wird jeder einzelne Name einer sprachwissenschaftlichen Analyse unterzogen, die zur Bestimmung und Erklärung der Namenelemente führt. Entsprechend der vielschichtigen Besiedlungsgeschichte des Untersuchungsgebiets werden in der Einleitung (Teil I) vorgeschichtliche, römerzeitliche, germanische und deutsche Ortsnamen in eigenen Kapiteln zusammenfassend analysiert und auf der Grundlage der Ergebnisse aus den 290 Ortsartikeln (Teil II) typologisch ausgewertet. Der Band enthält im Anhang (Teil III) mehrere Register, darunter Verzeichnisse der Erstnennungen der behandelten Namen und der einzelnen Ortsnamenbestandteile, sowie eine großformatige Kartenbeilage, die einen Überblick über den Altlandkreis Eichstätt und seine Wüstungen gibt. Das HONB Eichstätt bietet Wissenschaftlern, Heimatforschern und allen historisch Interessierten umfassend Auskunft über Ortsnamen und Siedlungsgeschichte im Gebiet um den Hauptort des Altmühltals.